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  Ode an die automobile Liebe - Kevin:  325iC

Hallo Leute, ich möchte Euch nach vielen Jahren des Mitlesens, und dadurch Lernens in diesem Forum auch einen unterhaltsamen Beitrag leisten und mein ehemals 325i Cabrio und meine Geschichte mit ihm vorstellen.

Mit dem Virus infiziert
Kurz zu mir, ich bin Kevin aus Bayern, 1988 geboren und quasi als kleines Kind im 325i 4-Türer meines Vaters aufgewachsen. Auch der Pate und der Opa hatten einen 6-Zylinder E30. Die Begeisterung für das Modell hat mich früh geprägt und es war für mich immer klar, dass ich zumindest auch einen BMW fahren möchte. Nachdem ich dann im Alter von 16 noch in einen Freundeskreis gerutscht bin, der sich fast ausschließlich mit dem E30 beschäftigt hat, war mit 18 Jahren dann die logische Schlussfolgerung, dass es auch ein E30 werden muss.


Abbildung 1, E30 vom Vater mit mir am Rücksitz


Zwar hatte ich damals zum 18. Geburtstag einen E46 318i von Oma und Opa bekommen der wertmäßig zu dieser Zeit viel hoher gestellt war als ein E30. Aber der E46 wurde dann kurzer Hand zum Winterauto degradiert. Nach einer kurzen Diskussion mit meinen Eltern ob es sinnvoll ist, ein 20 Jahre altes Zweitauto, dazu als Schüler mit dem gesparten Studiengeld, zu kaufen – wurde das E30 Cabrio gekauft.

Randnotiz: das Studium hab ich nach dem 4. Semester abgebrochen, das Auto hab ich noch immer, und aus mir ist trotzdem was geworden.
Gekauft habe ich den 325iC damals aus 1. Hand, mit defekter Heckscheibe und dem Problem, dass der Anlasser zwar lief, aber das Auto immer nur angesprungen ist, wenn man es angeschoben hat, oder der Motor warm war. Die Basis war aber Top, 136tkm, Bj. 86, nie Winterbetrieb, kaum schlechtes Wetter, zusätzlicher Korrosionsschutz ab Werk und ein 325i mit Nachrüstkat. Der Preis von 2400€ war auch damals gut.


 
Abbildung 2, Zustand beim Kauf

Jeder Traum hat auch eine Leidensgeschichte
Der Start mit meinem automobilen Traum war aber schwierig. Der Fehler warum der Wagen mittels Anlasser nicht starten wollte, konnte weder von mir noch von einer Werkstatt gefunden werden. Nach einigen Wochen hatte ich die Suche vorerst aufgegeben und das sogenannte Winterauto in den Sommerbetrieb versetzt. So vergingen einige Wochen im Sommer indem das Cabrio nur rumstand. Wie es der Zufall aber so wollte, trifft man oft im Leben die richtigen Leute zur richtigen Zeit. So auch in dem Fall. Ich traf auf einer Party einen mittlerweile befreundeten Schrauber, der den E30 quasi schon viele Jahre inhaliert hatte, und er versicherte mir, wenn er den Fehler nicht findet, dann keiner. Er behielt Recht! Nach einigen Tagen des Suchens stellte sich heraus, dass der Nocken am Schwungrad in der Getriebeglocke (Motronic 1.0 katlos) für den OT-Geber zur Hälfte abgeschert war. Schwungrad getauscht, Auto lief. So fuhr ich dann ca. 1 Jahr, bis mich das nächste Schicksal mit dem Auto ereilte. Motorbrand am Badesee dank geplatzter Benzinleitung! Ich konnte ihn rechtzeitig löschen, aber der Motorraum sah danach schlimm aus.

Es kam mir wie ein Dejavu vor als es passierte, denn genau aus dem Grund brannte der E30 meines Vaters damals aus ): In mühevoller Arbeit befreite ich den Motorraum von allen Brandstellen und machte den Wagen wieder fit. So fuhr ich dann erst einmal 2 Jahre immer mit schmalem Studentenbudget und reparierte Stück für Stück bzw. hielt das Auto am Leben. Jeder Ferienjob diente nur dem Zwecke die Autos zu unterhalten, aber was tut man nicht alles für die Liebe :) Leider kam es wie es kommen musste, junge sportliche Fahrweise und schmales Budget führten irgendwann dazu, dass der M20 so langsam seinen Dienst quittieren wollte. Nach merklich weniger Leistung und einem Kompressionstest stellte sich heraus, dass der M20 bereit war zu gehen.


 
Abbildung 3, nach dem Motorbrand


Tuning gehört dazu
Dass der M20 aber „platt“ war fand ich gar nicht so schlimm. War es doch ein willkommenes Argument sich selbst einzureden, dass es dann nur logisch sein kann, einen Motorumbau zu machen. Mittlerweile gut geschult von diversen Schrauberabenden mit Freunden war klar, es muss ein M52B28 her. Weil der läuft gut, ist leicht, hat deutlich mehr Leistung und hatte bis dahin noch keiner aus dem Freundeskreis gemacht. Innerhalb von 2 Wochen wurden dann alle nötigen Teile besorgt und der M20 gegen einen M52 getauscht. Das war dank der guten Anleitung hier auf E30.de und tatkräftiger Unterstützung von Freunden kein wirkliches Problem. Nach 2 Wochen war das Ergebnis zwar nicht perfekt aber fahrbar, der Rest wurde dann „on the fly“ sukzessive erledigt. TÜV-Eintragung gab es ganze 2 Jahre danach erst, als die Hauptuntersuchung anstand. Wenn du jung bist, ist eine Eintragung nicht das Wichtigste.



 
Abbildung 4, M52B28 Antrieb


So gingen weitere 2 Jahre ins Land in denen ich dann legal und mit M52 unterwegs war. Beflügelt von weiteren Umbauten im Freundeskreis mit M60, M30, und diverse anderen fiel dann die Entscheidung, es muss was Größeres her. Die Idee war damals, einen M73B54 mit 6 Gang Schalter zu bauen. Der M52 Antrieb ging dann an einen Freund bei dem dieser noch immer tadellos fährt. Ich besorgte Antrieb samt Getriebe vom 850i (übrigens aus diesen hier) und einem E38 750i. Es kam dann aber am Ende nur zu kleineren Gehversuchen den V12 im Motorraum zu platzieren. Die zu der Zeit vorherrschende Problematik mit der Eintragung bei uns in der Gegend lies mich Abstand von dem Vorhaben nehmen und ich verkaufte wieder alles. Meine Lebenssituation hatte sich bis dahin auch geändert, ich war mittlerweile berufstätig, in einer festen Beziehung, eigenen Haushalt. Kurzum die Zeit war weniger, der Fokus ein anderer, also stellte ich das Cabrio ohne Antrieb in die hinterste Ecke und dort stand es dann auch für ganze 7 Jahre. In der Zeit gingen mir immer wieder mögliche Optionen als Antrieb durch den Kopf aber schlussendlich hat mein gereiftes Ich und steigende Preise für originale Autos mich dazu veranlasst, einen M20 wieder ins Auto zu bauen. Über viele Jahre sammelte ich dann entsprechende Teile.


Ohne Tuning geht’s noch immer nicht
Was aber irgendwie klar war, nach all den Jahren in denen an diversen E30 geschraubt und Motoren getauscht wurden mit Freunden, dass es kein Serien M20B25 werden konnte. Ich hatte mir gedanklich zum Ziel gemacht, alles am M20 zu verbauen was in den 90ern die "must haves" gewesen sein müssen – und zugegeben ich mir damals als Schüler und Student hätte nie leisten können.

Der Antrieb setzt sich nun wie folgt zusammen:
M20B27 nach Var3.3
Katkolben mit gekürztem Kolbenhemd
Verdichtung 9,8:1
Zylinderkopf bearbeitet
Nockenwelle Schrick 284/272°
Verstellbares Nockenwellenrad
Fächerkrümmer Schnitzer S3
Ansaugung Dbilas Einzeldrossel
Luftmassenmesser Umbau
Angepasstes Steuergerät für LMM und 2,7l mit Drehzahl max. 7000U/min
Rest einfach alles neu oder zur Not aufgearbeitet
Getriebe M20B25
Schaltwegverkürzung Z4 3,0
Differential 3,93:1
Edelstahl Sport ESD
 



 
Des Weiteren sind verbaut:
Fahrwerk 30mm AP Federn
Felgen rundum 8,5x17 Dare F5 (adaptiert von 5*100 auf 4*100) mit 215/40 Reifen
Bremse mit Tandem BKV und E36 HBZ
Bremse VA 294mm gelocht vom Mini Cooper Works R53 mit E36 Sattel und Adapter, angepasstem Radlager und Distanzringen (vom Gert)
Bremse HA mit 280mm Z1 Scheiben und M3 E30 Sätteln
Awron Zusatzinstrumente
Momo DL32 Lenkrad
Karosserie 175tkm, ungeschweißt, seit je her rostfrei, Neulack komplett 2011 nach kleinerem Frontschaden
Verdeck neu 2010

 

 

 

 


Warum es nun die automobile Liebe ist
Zum Schluss will ich erklären, warum es meine automobile Liebe ist. Ich besitze das Auto nun schon fast 15 Jahre. In dieser Zeit hatte ich parallel immer andere Autos zusätzlich (in Summe mittlerweile 15St). Viele waren neuer, technisch raffinierter, schneller oder hatten mehr Prestige. Der E30 ist bis heute aber das einzige Auto, das ich nie verkauft habe. Ich habe bestimmt ein paar Mal mit dem Gedanken gespielt, aber ich habe es am Ende nie getan.

Rückblickend liegt es wohl daran, dass mich der E30 sowohl an meine Kindheit, als auch an meine tolle Zeit als junger Mensch erinnert, in der man mit Freunden nächtelang geschraubt hat. Der E30 machte mir sicher Sorgen, aber er machte mir auch immer viel Freude. Ich hab durch ihn viele Freunde gewonnen, viele Bekanntschaften geschlossen, und am Ende sogar meine Freundin kennen gelernt mit der ich nun schon 8 Jahre gemeinsam verbringen darf. Kurzum, jede Fahrt, jede Minute an dem ich am Cabrio schraube ist ein Revival und eine Zeitreise in meine Erinnerungen, und das macht das Auto für mich persönlich aus, und das möchte ich nicht missen.

Vielen Dank fürs Lesen und all Zeit gute Fahrt.

Kevin Bauer