FORUM WERKSTATT STORIES ARCHIV KLEINANZEIGEN
 
Thomas: E30 V8 Erfahrungen

Hallo E30 Freunde,

ich möchte Euch an den Erfahrungen beim Aufbau meines E30 V8 Cabrios teilhaben lassen. Zunächst geht es um die Blechrestauration. Leider kommt auch der geliebte 3er in die Jahre und Salz und Wasser setzen dem Blech mehr und mehr zu. Zwar ist das E30 Blech vergleichsweise langlebig, aber auch hier sind mittlerweile vermehrt Rostschäden zu beobachten. 


Es stellt sich also die Frage wie man langfristig und wirksam diesen Prozess aufhalten kann. Hierzu gibt es diverse Möglichkeiten:

•    Zerlegen und Sandstrahlen der Karosserie

•    Unterboden von Technik befreien und „per Hand“ mit  
      Drahtbürste/Heißluftfön usw. von Bitumen und Dreck befreien

•    hier gezeigt: Wagen komplett zerlegen und in einem „Beizbad“
      behandeln, anschließend beschichten

Möchte man sicher gehen, dass wirklich jeder Winkel der Karosserie (insbesondere die Hohlräume) rostfrei wird, so bleibt nur Möglichkeit 3. Diese ist natürlich am aufwendigsten und teuersten.

Die Angelegenheit ist mit enormem Aufwand verbunden:

Zunächst muss der E30 quasi „bis auf die letzte Schraube“ zerlegt werden. Dazu sollte vorher eine entsprechende Lagermöglichkeit für die anfallenden Einzelteile geschaffen werden; diese nehmen ca. 5-10 mal so viel Platz in Anspruch wie ein „zusammengebauter“ Wagen. Es müssen insbesondere alle Kunststoffteile entfernt werden, da diese von der Säure zerfressen werden.

Eine vorherige Dokumentation (Foto/Film) insbesondere der Kleinteile wie Leitungshalter, Kabelbinder, elektrischer Anschlüsse erleichtert das anschließende Zusammenbauen enorm. Es ist auch hilfreich einen zweiten E30 zum Nachsehen parat zu haben.

Da auch die Achsen ausgebaut werden, ist ein entsprechendes Gestell aus Vierkant-Stahlrohr anzufertigen. Vorne kann dieses an den vier Verbindungspunkten der Vorderachse zu den Längsträgern befestigt werden, hinten am besten an den Aufnahmen der Stoßdämpfer (selbe Krafteinleitung wie im Fahrzustand, damit ein Verziehen des Wagens vermieden wird). An dem Gestell werden 4 Transportrollen angebracht. Die leichte Rohkarosse kann nun bequem mit einer Hand geschoben werden.

Großfläche Durchrostungen empfehle ich schon in diesem Zustand herauszuschneiden. Sind Anbauteile wie Hauben oder Türen z. B. durch Unfall beschädigt, sollte man diese direkt entsorgen.

Ist der E30 entsprechend vorbereitet (Türen, Hauben usw. abmontiert) kann dieser per Autoanhänger zu einem entsprechendem Fachbetrieb (siehe „chemisch entlacken“ im Internet) gebracht werden. Meist gibt es dann mehrere Wochen Wartezeit, in der am besten schon die Achsen überholt werden sollten (diese müssen anschließend wieder zuerst eingebaut werden).

Der Wagen wird im Betrieb mit Gestell in ein Säurebad gelassen und sämtliche Schichten an Lack, Grundierung, Unterbodenschutz, Spachtel usw. lösen sich vom Blech. Da der Wagen anschließend quasi „nackt“ herauskommt empfehle ich auch eine kathodische Tauchlackierung (KTL) zu buchen, ansonsten fängt das Blech sofort wegen der Luftfeuchtigkeit an zu rosten. Im KTL-Verfahren wird der Wagen abermals in ein Bad gelassen, bei dem mittels elektrochemischer Wechselwirkungen ein schwarzer Tauchlack auf die Karosserie aufgebracht wird, die wiederum jeden Hohlraum erreicht (das kann man sich in Videos bei Neuwagen-Produktionen ansehen).

Diese „Grundierung“ hat sich bei mir als extrem hart und widerstandsfähig erwiesen z. B. ist diese auch gegen Bremsflüssigkeit resistent. Allerdings hat man beim Lackieren einige Mühe diese Schicht anzuschleifen.

Da auch die Abdichtungen der Karosserienähte entfernt worden sind, sind diese sorgfältig wieder zu erneuern (auch an Hauben und Türen). Der Unterboden sollte wie ab Werk dünn mit einer überlackierbaren Schutzmasse versehen werden. Es sind sämtliche Karosseriestopfen wieder anzubringen.

Es folgen mehrere Wochen, in denen der Lackierer dem Wagen eine neue Beschichtung verpasst.

Ist der Wagen so fertig lackiert, kann es wieder an den Zusammenbau gehen. Wenn ihr die Möglichkeiten habt, gönnt dem Lack noch ein paar Wochen Durchhärtungszeit.

Zu guter Letzt sollte man für optimalen Schutz die Hohlräume konservieren (Wachs/Fett).

Wenn Ihr gut mitgedacht habt, dann sind vor den Lackierarbeiten die V8 spezifischen Halterungen im Motorraum eingeschweisst worden:

- BKV Halterung oben und unten, sowie Ausschnitterweiterung BKV
  an der Spritzwand

- Halterung für Luftfilterkasten

- optional: Halterungen im Batteriefach für ABS oder  
  Ausgleichsbehälter

- optional: Ausschnitt Motorhaubenrahmen (Wenn Ausgleichsbehälter
  an Spritzwand

- optional beim Cabrio: Vergrößerung Durchführung Kofferraum rechts
   für Batteriekabel

Mein Cabrio erstrahlte nach vielen Monaten der Blechrestauration wieder in frischem "mauritiusblaumetallic".

Ein aufwendiges Thema beim E30 V8 ist der Bau der Abgasanlage.
Wie schon bekannt passen die Auspuffkrümmer vom X5 E53 gut in den E30.

Fahrerseitig wird der Krümmer kurz hinter der Schweißnaht für die Wärmeschutzummantelung abgetrennt. Es folgen 2 Stück 30° Bögen; der ursprüngliche Flansch kann wieder angeschweißt werden. Im Bereich des unteren Kardangelenks der Lenkung sollte Platz geschaffen werden indem der Krümmer eine leichte Delle erhält.

Es folgen 2 ca. 50 cm lange Rohre bis zum Beginn des Hitzeschutzblechs des Unterbodens. Um die Katalysatoren möglichst weit nach oben zu bekommen (und damit mehr Bodenfreiheit zu gewinnen) wird beiderseitig nochmals mit jeweils 2 Stück 30° Grad Bögen ein Versatz hergestellt. Als Nachteil sollte erwähnt werden, dass die Querstütze vom Cabrio bei dieser Einbaulage nicht mehr passt, diese muss selbstständig neu hergestellt werden.

Auf der rechten Seite braucht der Krümmer gar nicht bearbeitet zu werden.

Nach den Krümmern geht es wie folgt weiter:
Rechts wird mit 3 Bögen (30°/45°/30°) der Strang so ausgerichtet, dass er am Ende etwa parallel zur Fahrzeuglängsachse liegt, auf der linken Seite habe ich 3 Stück 30° Bögen gebraucht. Tip: Lieber einmal mehr ausrichten, als nachher wieder aufzutrennen.

Die nun folgenden E46 M3 Kats sind in diesem Beispiel umgekehrt eingebaut; daraus ergibt sich, dass die Anschlüsse für die Monitorsonden (Nach-Kat Sonden) nun vor den Katalysatoren sitzen und für die normalen Regelsonden (Vor-Kat Sonden) verwendet werden können.

Ich habe die Kats so ausgerichtet, dass die Anschlüsse für die Sonden jeweils außen liegen. Es passen die üblichen Sonden des E32 M60.
Vor Einbau der Kats sind diese von ihren Hitzeschutzblechen zu befreien und wie im Bild gezeigt zu kürzen. Eine in manchen E46 Modellen vorhandene Öffnung für einen Abgastemperatursensor, die hier nicht benötigt wird, verschwindet somit automatisch.

Bis zu den Kats sind durchgängig Bauteile mit 60 mm Außendurchmesser zur Anwendung gekommen, zwischen Kat und MSD ist dann eine Reduzierung auf 55 mm erforderlich.

Als Endschalldämpfer ist bei mir vorerst ein 325i Sport-Endtopf eingebaut, hier gibt es mit dem M3 E36 Endtopf eine gute Alternativen mit mehr Durchsatz.

In einem ersten Test erweist sich die Abgasanlage als sehr leise, die Spannungen der Lambdasonden sind trotz der in Fahrtrichtung weisenden Anschlüsse korrekt.

Für ein an Maximum an Endleistung kann von vorne bis hinten mit 60 mm Durchmesser gearbeitet werden (dann mit entsprechenden Auspufftöpfen). Die Lautstärke ist dann ggf. jedoch nicht mehr im TÜV konformen Bereich.


Nach den Kats wird idealerweise eine Querverbindung zwischen beiden Strängen hergestellt (H-Rohr), die auch bei vielen originalen BMW Abgasanlagen an dieser Stelle sitzt; diese fehlt im gezeigten Beispiel noch.

Als Mittelschalldämpfer findet ein wiederum umgedrehter Topf aus einem BMW E46 mit beliebigem M54 Motor seinen Platz. Teilenummer ist 18 10 7 504 170. Durch die dargestellte Einbaulage weisen die hinteren Abgänge dann in die richtige Richtung (nach links) zum Endschalldämpfer.

In den bisherigen Anleitungen wird das Tankentlüftungsventil (TEV) meist vernachlässigt. Daher von mir ein paar Worte. Das TEV wird elektrisch angesteuert und hat zusätzlich intern noch ein Rückschlagventil. Wenn der Motor aus ist, ist das Ventil stromlos und offen, dh. die Gase können in die Ansaugbrücke strömen. Wenn der Motor kalt gestartet wird, liegen 12V am Ventil an, dann wird es geschlossen. Ab ca. 60° Kühlwasser und beginnender Lambdaregelung (404er Steuergerät) wird das Ventil minusseitig (über das Kabel Schwarz-Braun) getaktet. Das andere Kabel muss also an Zündungsplus gelegt werden. Die Intervalle werden mit zunehmender Drehzahl größer = mehr Benzindämpfe können angesaugt werden. Nach einigen Minuten wird wieder auf Dauerstrom geschaltet und das Ventil bleibt zu bis zum nächsten Taktvorgang.

Am Pin 36 er DME kann das schwarzbraune Kabel für das TEV gefunden und z.B. am Pin 12 des weissen 18 poligen  X10104 angezapft werden,






franzjosef83@yahoo.de